[Rezension] Homo faber | Max Frisch

Dienstag, 6. Juni 2017

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Seiten: 203
Verlag: Suhrkamp
Ersterscheinung: 1957
ISBN: 9783518368541
Format: Taschenbuch
Preis: [A] 8,30 €  |  [D] 8,00 €
Genre: Roman
Wissenswertes: verfilmt

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Mein Lesezeitraum: 9. Februar - 27. Mai 2017 (108 Tage)




Der Inhalt
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Im Roman »Homo faber« berichtet die Hauptfigur Walter Faber, ein Ingenieur mit streng rationalistischem Weltbild, von Ereignissen seines Lebens, die eben dieses technisch-naturwissenschaftliche Weltbild ins Wanken bringen und entscheidende Grundfragen menschlicher Existenz nach Schicksal, Entscheidungsfreiheit und Gestaltungsmöglichkeiten des Individuums aufwerfen. Zeitlich angesiedelt ist der Roman Ende der 1950er Jahre. Seine Schauplätze reichen von europäischen Metropolen wie Paris und Athen über die Vereinigten Staaten bis nach Mittel- und Südamerika. (Quelle)


Der Erste Satz
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Wir starteten in La Guardia, New York, mit dreistündiger Verspätung infolge Schneestürmen.


Meine  Meinung
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Rationalisierung emotionaler Handlungen

Walter Faber, der Protagonist dieses Buches, ist ein durch und durch sachlicher und rational denkender Mann, der zwar mit Gefühlen nichts großartig anfangen kann, mit Maschinen und Technik dafür umso mehr. Mit Frauen hat er's deswegen besonders schwer, da diese doch oft ausschließlich in ihrer Gefühlswelt leben und mit seiner Sachlichkeit nicht umgehen können.
In dieser durch einen unglaublichen Zufall geprägten Geschichte trifft Mr. Faber auf seinen Reisen eine junge Frau, in die er sich nicht nur verliebt, sondern von der er schon bald sogar herausfindet, dass sie seine eigene Tochter ist. Und ab dem Moment beginnt das Schlamassel. Oder anders ausgedrückt: die wichtigste und mit Sinn gefüllteste Zeit seines restlichen Lebens, die dennoch nicht ohne Probleme und Katastrophen auskommt.

Ich bin nicht zynisch. Ich bin nur, was Frauen nicht vertragen, durchaus sachlich.
(S. 91)

Geschrieben wurde Homo faber von Max Frisch in den 1950ern, und ich finde, genau das merkt man auch ganz deutlich an der Schreib- bzw. Ausdrucksweise des Autors: Viele alte, heute nicht mehr gebräuchliche Wörter und Ausdrücke sind hierin zu finden und lassen dadurch das typische Klassiker-Feeling aufkommen.

Walter Faber berichtet in Form eines Tagebuchs von der Zeit mit seiner Jugendliebe Hanna, von seinem Dasein danach, den Frauen, die anschließend Teil seines Lebens waren und natürlich auch der Jetzt-Zeit, in der er viel herumreist und schlussendlich seine nie gekannte Tochter kennenlernt.
Während der gesamten Zeit des Lesens, so hatte ich das Gefühl, ist es mir schwer gefallen "am Ball zu bleiben". Phasenweise fand ich Fabers Bericht anstrengend, bin hin und wieder also auch abgeschweift. - Was ich natürlich nicht wollte, trotzdem konnte ich manchmal dem vielen Blabla über Technik und dem ganzen Gedenke, das mir oftmals wie ein Zerdenken vorgekommen ist, nicht folgen. Vielleicht liegt es daran, dass ich eine Frau bin und mir so ein bisschen der Zugang zur typisch männlichen Rationalität fehlt? - Ich weiß es nicht.
Jedenfalls besteht der Bericht, besonders vermehrt zum Ende hin, aus vielen sehr kurzen Sätzen, die mir das Lesen zusätzlich erschwert bzw. meinen Lesefluss gestört haben.
Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind.
(S. 24)

Das, worum es geht, Fabers Schicksal/seine Geschichte, fand ich hingegen gar nicht mal so uninteressant. Auch die Veränderung seiner Person, die sich sogar im Schreibstil ein wenig niederschlägt, war deutlich erkennbar und sollte an dieser Stelle noch hervorgehoben werden.
Dies war mein erster Max Frisch und ich bin mir auch noch nicht so ganz sicher, ob es beizeiten einen weiteren für mich geben wird. Von diesem Klassiker, von dem ich eigentlich viel erwartet habe, bin ich nämlich leider etwas enttäuscht worden. Vielleicht war es auch einfach die falsche Zeit, in der ich mir das Buch zu Gemüte geführt habe?


Persönliche Bewertung
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Weitere Buchzitate
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~ Indem wir vom Wahrscheinlichen sprechen, ist ja das Unwahrscheinliche 
immer schon inbegriffen und zwar als Grenzfall des Möglichen. ~ 
(S. 22)

~ Ich lebe, wie jeder wirkliche Mann, in meiner Arbeit. ~  
(S. 90)

~ Ich kann nicht die ganze Zeit Gefühle haben. Alleinsein ist der einzigmögliche Zustand für mich, denn 
ich bin nicht gewillt, eine Frau unglücklich zu machen, und Frauen neigen dazu, unglücklich zu werden. ~  
(S. 92)

~ Menschen sind eine Anstrengung für mich, auch Männer. ~ 
(S. 92) 

~ Wie beim Stahl, Gefühle, so habe ich festgestellt, sind Ermüdungserscheinungen, nichts weiter, jedenfalls bei mir. ~ 
(S. 92)

~ Alles ist nicht tragisch, nur mühsam. ~  
(S. 93)

~ Irgendeine Zukunft, fand ich, gibt es immer, die Welt ist noch 
niemals einfach stehengeblieben, das Leben geht weiter!
»Ja«, sagt sie. »Aber vielleicht ohne uns.«
~  
(S. 159)




Der Filmtrailer
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Der Autor
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http://www.suhrkamp.de/autoren/max_frisch_1350.html

Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren und starb am 4. April 1991 an den Folgen eines Krebsleidens in seiner Wohnung in Zürich. 1930 begann er sein Germanistik-Studium an der Universität Zürich, das er jedoch 1933 nach dem Tod seines Vaters (1932) aus finanziellen Gründen abbrechen musste. Er arbeitete als Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung.
Seine erste Buchveröffentlichung Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt erschien 1934 in der Deutschen Verlags-Anstalt Stuttgart. 1950 erscheint Das Tagebuch 1946-1949 als erstes Werk Frischs im neugegründeten Suhrkamp Verlag. Zahlreiche weitere Publikationen folgten. 

-) Max Frisch interviewt sich selbst





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Kommentare:

  1. Hallo,
    ich fühle mich geehrt, danke das du mich verlinkt hast :-) ich freue mich immer darüber :-)
    viele Grüße

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  2. Liebe Janine,

    vielen Dank für Deine sehr ehrliche und (wie immer) wundervoll formulierte Rezension :)
    Schon sehr lange möchte ich dieses Büchlein lesen und habe es nun zumindest schon mal auf meinem SuB liegen ;)

    Liebe Grüße und einen sonnigen Tag 🌞
    Tanja ♥

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    Antworten
    1. Dann drück ich dir die Daumen, dass du es bald von deinem SuB befreien kannst. Deine Meinung dazu würde mich auf jeden Fall interessieren? Vielleicht sind wir ja ählicher Ansicht? Und vielen Dank für dein Lob zu meiner Rezension, das freut mich so sehr! :-))

      Alles Liebe! ♥

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    2. Bin nach Deiner Rezi nun noch mehr gespannt und werde berichten :)
      LG ♥

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  3. Hallo Janine,
    den Klassiker hab ich noch nie gelesen; irgendwie hatte ich noch nie Lust darauf. Wobei mich die Zitate eigentlich ansprechen, auch wenn du nicht so überzeugt warst.
    Ich mag deine Art, die Rezension aufzubauen und zu schreiben, sehr! Deshalb werde ich auch als Leserin bleiben

    Ich hab deinen Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.
    Liebe Grüße
    Daniela

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    Antworten
    1. Hallo liebe Daniela,

      auch dir danke für dein Lob zu meinem Rezensionsaufbau! :) Deinen Beitrag werde ich mir gleich ansehen kommen, interssiert mich ja doch, was du da genau gemacht hast. ;) Und deinen Blog, den ich selbst auch noch nicht kenne, will ich mir natürlich auch ansehen.

      Zu "Homo faber" noch kurz: Ich hatte vorher große Lust auf den Klassiker (die lese ich ja generell ur gern!), aber habe schnell feststellen müssen, dass mir Walter Fabers Denkweise nicht ganz ... zusagt bzw. ich wenig damit anfangen kann und daher oft mal abgeschweift bin. Aber vielleicht kannst Du ja mehr damit anfangen? So eine Rezension ist ja, wie immer, nur eine subjektive Momentaufnahme und bedeutet nicht, dass das Buch anderen nicht viel mehr gefallen könnte. :)

      Alles Liebe dir ♥ und bis gleich!
      Janine

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  4. Hey Janine,
    eine wirklich schöne Rezi,die du da geschrieben hast :) Danke auch für's verlinken :)
    Liebe Grüße
    Colette :-)

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